„Natürlich“ Süßen ohne Kalorien und ohne Blutzuckeranstieg – geht das?

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Nr. 09 / 2008

Bisher kannten Diabetiker ausschließlich künstliche Süßungsmittel als optimale Alternative zu Zucker zum Süßen für Tee oder Kaffee. Diese konnten sie ohne Blutzuckeranstieg verwenden. Vom Verzehr von Fruchtzucker, Sorbit und anderen Zuckeralkoholen wurde von Experten aus verschiedenen Gründen abgeraten.

 

 

„Natürlich“ Süßen ohne Kalorien und ohne Blutzuckeranstieg – geht das?

 


Immer öfter ist eine südamerikanische Pflanze namens „Stevia“ im Gespräch – welche als „natürlicher Süßstoff“ gehandelt wird. Was steckt nun dahinter? Ist dies wirklich die „natürliche“ Alternative? Was macht zum Süßen von Getränken Sinn?

Stevia rebaudiana, auch Süßkraut, Honigkraut oder Süßblatt genannt, stammt ursprünglich aus Südamerika. Die Blätter der Pflanze, die 300 mal süßer als Haushaltszucker sind, werden hauptsächlich in Asien zum Süßen verwendet. Steviosid ist der Inhaltsstoff, der für die Süßkraft hauptverantwortlich ist. Um den Frühstückstee zu süßen bräuchten Sie lediglich ein kleines zerrebeltes Teilchen vom Steviablatt. Klingt vielversprechend!
Allerdings ist Stevia in der Europäischen Union nicht als Lebensmittel zugelassen und darf daher auch als solches nicht in den Handel gelangen. Unerlaubterweise wird Stevia (in Lösung oder als zerrebeltes Blatt) in Reformhäusern abgegeben und manche Diabetiker züchten diese Pflanze im eigenen Garten und geben es so an andere Betroffene weiter. Da es für die Abgabe als Lebensmittel einer Zulassung bedarf und offensichtlich für die EU noch nicht genügend Beweise für eine Unschädlichkeit vorliegen, ist auch vom Verzehr abzuraten. In der Schweiz war Stevia eine Zeit lang verboten – dieses Verbot wurde jedoch aufgehoben. Ob und wenn ja, wann Stevia auch in der EU als „natürlicher Süßstoff“ in den Handel  kommen und in Lebensmittel zugesetzt werden darf, bleibt offen. Lassen wir uns überraschen, was die Zukunft bringt!

 

 

 

Fruchtzucker und Zuckeralkohole?

Obwohl der Fruchtzucker einen anderen Weg von der Darmschleimhautzelle ins Blut geht, steigt der Blutzucker an und ist somit nicht empfehlenswert. Größere Mengen können mitunter Blähungen und Durchfall verursachen, weil manche Menschen Fruchtzucker, Sorbit und andere Zuckeraustauschstoffe über den Darm nur eingeschränkt aufnehmen können. Weiters kann bei übermäßigem Verzehr von Fruchtzucker der Triglyceridspiegel im Blut ansteigen. Fruchtzucker oder Sorbit werden als Diabetikerbackzucker, Diabetikergelierzucker etc. verkauft.

 

Fruchtzucker finden Sie auch in der Diabetikerschokolade. Sie enthält allerdings mindestens genauso viele Kalorien, ist teurer und erhöht den Blutzucker im gleichen Maße wie die herkömmliche Schokolade. Kekse, Süßigkeiten, Kuchen und Mehlspeisen für Diabetiker werden nicht nur in Supermärkten sondern auch in Cafès und Konditoreien zum Verkauf angeboten. Sie zeichnen sich besonders durch Ihren hohen Fettgehalt aus, um den Geschmack zu verbessern – aber gelingt es wirklich an den Geschmack eines herkömmlichen Kuchens heranzukommen?!?
Genießen Sie selten und in kleinen Mengen gewöhnliche Süßspeisen.

 

Auch für die Herstellung von Diätmarmeladen wird Fruchtzucker und Sorbit verwendet. Sie ist zumindest zuckerreduziert. Wenn Sie max. einen Teelöffel auf  Ihr Gebäck streichen, wirkt sich dies auf den Blutzucker nicht steigernd aus – größere Mengen dann doch. Marmeladen mit 70% Fruchtanteil oder Süßstoff zubereitet wären als gleichwertig zu betrachten.

Diät- oder Diabetikerhonig ist lediglich ein Kunsthonig (aus Fruchtzucker und Sorbit hergestellt), der noch nie eine Biene zu Gesicht bekommen hat, wobei der Zuckergehalt genauso hoch ist, wie im echten Bienenhonig und ist daher nicht empfehlenswert.

 

Zugelassene künstliche Süßstoffe wie Saccharin, Cyclamat, Aspartam, Acesulfam, ..... sind als unterschiedliche Handelsnamen in flüssiger Form, Tabletten oder Streuform erhältlich. Sie werden auch in Lebensmittel wie Light-Limonade, Diätjoghurt etc. zugesetzt. Im Vergleich zu Fruchtzucker haben sie den Vorteil, dass ihr Blutzucker nicht ansteigt (sie sind auch kalorienfrei). 
Für jeden dieser Süßstoffe sind ADI-Werte (acceptable daily intake) von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) festgelegt. Damit gibt die WHO an, dass bis zu dieser akzeptierten Menge, der Süßstoff für den Menschen unbedenklich ist. 
Leider ist es für den Konsumenten nicht leicht nach zu vollziehen, in welcher Menge der Süßstoff nun wirklich in dem jeweiligen Lebensmittel enthalten ist. Firmen müssen nur die Art aber nicht die Menge der Zusatzstoffe deklarieren. Auch auf Anfrage bei den meisten Firmen ist eine Auskunft nur wage erhältlich.
Wahrscheinlich sind 10 Süßstofftabletten, 1 Fruchtjoghurt mit Süßstoff gesüßt und 1 Liter Light-Limonade täglich für einen 70kg schweren Erwachsenen in einem für die WHO akzeptablen Bereich. 

 

Zum jetzigen Zeitpunkt bleiben künstliche Süßstoffe die beste Option, um ohne Anstieg im Blutzucker den Frühstückskaffee süß zu genießen. Vielleicht steht uns in Zukunft auch die pflanzliche Alternative Stevia ohne Reue zur Verfügung. Ganz sicher ist, dass Fruchtzucker und Zuckeralkohole zum Süßen von Getränken weiterhin nicht geeignet sind. Bienenhonig – gerne als tolles Naturprodukt beworben -  sowie aus Fruchtzucker hergestellter Diäthonigersatz, Ahornsirup oder ähnliches steigern den Blutzucker und sind so nicht optimal.

 

Michaela Wallisch, Diaetologin in freier Praxis, Phorusgasse 12/11-12, A-1040 Wien, e-mail:  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ,
mobil: 0650/925 61 03

 

 

Quelle: sanofi aventis, Diabetes News 09 / 2008   www.sanofi-aventis.at.