Diabetestherapie und Operation
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Diabetestherapie vor, während und nach einer Operation
Egon Manhold, Lemwerder (letzte Aktualisierung Dezember 2011)
Allgemeines:
• Der Diabetes–Wissensstand ist auf den „Nicht-Diabetes-Stationen“ eher gering
• Meist keine speziellen Kenntnisse zu
besonderen Therapieformen (ICT, Pumpe)
• Probleme mit der Verantwortlichkeit für die
Diabeteseinstellung in der Klinik
(Patient selber / oder Personal)
• Stressbedingte Blutzuckerschwankungen
müssen eingeplant werden
Rund um die Operation (perioperativ)
unbedingt bedenken:
• Nüchternheit
• nur geringe / keine Bewegung
• Aufregung
• Entzündung (Infektion u.U. prä-/postoperativ)
• Stressantwort des Körpers
• Narkose (Narkoseart)
• verminderte Haut– und
Fettgewebsdurchblutung
• Blutverlust
• Medikamente (auch Infusionen)
• Übelkeit / Erbrechen
Vor der Operation (präoperativ)
Aufklärungsgespräch mit dem Narkosearzt:
• Vorerkrankungen
• Art der Diabetestherapie – perioperativ
(grundsätzlich und insbesondere am OP –
Tag / wer macht was?!)
• bereits bestehende Folgeerkrankungen
• Narkoseform (und Folgen für nach der OP)
• Nüchternheit
• Prämedikation
• Diabetestherapie während der Operation
Am Operationstag (präoperativ)
• Keine oralen Antidiabetika (Tabletten)
einnehmen! (u.U. schon einige Tage
vorher abgesetzt!)
• Die Insulintherapie immer mit dem
Anästhesisten absprechen.
(Menge / Zeitpunkt / Insulinart)
• Beispiele:
• Wenn Sie Mischinsulin spritzen: morgens
1/8 der Tagesgesamtdosis des
Mischinsulins als Verzögerungsinsulin
spritzen
• Wenn Sie lang wirkendes Insulin spritzen:
Dosis schon am Vorabend halbieren
• bis zum Transport in OP:
alle 2 Stunden BZ – Kontrolle
• nach Prämedikation durch das Pflegepersonal!((wegen der Auswirkung der Prämedikatiion))
• Bei BZ-Werten < 80 mg/dl (4,4 mmol/l):
Arzt/Pflegepersonal verständigen
- nicht Essen oder Trinken,
- ggf. Glucose-Infusion
• Bei Hyperglykämie:
Arzt/Pflegepersonal verständigen, ggf. Korrekturbolus mit kurz bzw. ultrakurz wirkendem Insulin (nur 2/3 der üblichen Korrektureinheiten)
Während der Operation (intraoperativ)
• Blutzuckerkontrolle und –einstellung durch
den Anästhesisten
• i.d.R. durch Glucoseinfusion und
Insulinperfusor (der Blutzucker ist so am
sichersten steuerbar)
• Aggressionsstoffwechsel:
• Entleerung der Energiespeicher
• Überwiegen der katabolen Hormone( (Insulingegenspieler = Glukagon,,
Adrenalin,, Kortison,, ACTH,, STH u..a..))
• Insulinresistenz ((bzw.. erhöhter
Insulinbedarf durch Infektion))
Nach der Operation (postoperativ)
• Individuell sehr unterschiedlicher
Insulinbedarf
Nach kleinen und mittelgroßen Operationen: ca 3 Stunden Nüchternheit,, dann erste kleine Mahlzeit.. Erst danach Insulingabe!
(u.U. kommt es zum Erbrechen)
• Bei Tablettentherapie: u..U. erst einige Tage
Insulingabe,, dann wieder Umstellung auf
OAD
• Regelmäßige Blutzuckerkontrolle
Nach großen Operationen:
• u.U. länger dauernde Nüchternheit
• meist erhöhter Insulinbedarf
• 2 – 4 stündliche Blutzuckerkontrolle
• BZ – Regulierung ggf. mittels Infusion bzw. Perfusor (meist auf der Intensivstation)
Insulinbedarf (perioperativ)
- am Tag vor der Op meist geringer als normal
- bei kleinen OPs: nach der OP etwas erhöht
- bei großen OPs: in den ersten Tagen nach der OP meist deutlich erhöht
Stellenwert der perioperativen Blutzuckerwerte:
• Eine gute BZ – Einstellung ist sehr wichtig,
weil bei Hyperglykämie:
• die Wundinfektionsrate erhöht ist
• körpereigene Abwehrkräfte versagen
• die Rate von Herzinfarkten und
Schlaganfällen erhöht ist
• es eine gesteigerte Häufigkeit von
Nierenversagen und dadurch
„Blutvergiftung“ gibt
Zielblutzuckerwerte:(perioperativ)
140 – 180 mg/dl(7,8 – 10,0 mmol/l)
> um Hypoglykämien sicher zu vermeiden
HbA1c –Wert nach OP:
Es macht keinen Sinn, nach einer OP den HbA1c –Wert zu messen, wenn
• Infusionslösungen verabreicht wurden
• Blut transfundiert wurde
• Der gefundene Wert wird immer falsch
niedrig sein!
Zusammenfassung:
• Ultralang wirkende Insuline am Vorabend
um 50% reduzieren
• Sonst 1/8 der Gesamttagesinsulindosis als
Verzögerungsinsulin morgens am OP-Tag
• Keine OAD am OP-Tag (u.U. schon Tage
vorher abgesetzt)
• Bis zur OP alle 2 Stunden BZ – Kontrolle
• Nach der OP alle 2 – 4 Stunden BZ –
Kontrollen,- Insulin erst nach der ersten
Mahlzeit spritzen- OAD frühestens am 1. Tag
nach der OP, u.U. erst einige Tage später
• Achtung: meist erhöhter Insulinbedarf!!

