Immer mehr diabetesbedingte Amputationen
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KKH-Allianz will dringend Versorgung verbessern
Immer mehr diabetesbedingte Amputationen
04.06.09 - Die KKH-Allianz schlägt Alarm: In den letzten Jahren ist die Zahl der Amputationen aufgrund von Diabetes deutlich gestiegen, weil die Behandlung zu spät einsetzt. Um diesem Trend entgegenzuwirken, startet die Kasse nun ein Pilotprojekt zu einer integrativen Versorgung.
Die Zahlen, die die KKH-Allianz anführt, sind erschreckend: Alljährlich werden in Deutschland 62.000 Amputationen vorgenommen. Hauptursache ist der Diabetes mellitus und das von ihm ausgelöste Diabetische Fußsyndrom. Interne Statistiken der Kasse deuten auf einen "deutlichen Anstieg" zwischen 2006 und 2008 hin, wie eine Sprecherin gegenüber ÄP erklärte.
Aus den Zahlen ergibt sich ein düsteres Bild für die Betroffenen. Mehr als ein Drittel der Diabetiker stirbt ein Jahr nach der Amputation, rund die Hälfte innerhalb von drei und etwa zwei Drittel innerhalb von fünf Jahren. Bei der Hälfte der Beinamputierten musste innerhalb der nächsten vier Jahre auch am anderen Bein amputiert werden.
In München wird integrativer Ansatz getestet
Nach einer Oberschenkelamputation muss mehr als die Hälfte dieser Patienten in einem Pflegeheim betreut werden. Von den Unterschenkel-Amputierten sind 30 Prozent nicht mehr gehfähig. Insgesamt befinden sich die Zahlen laut KKH-Allianz auf einem "dramatischen Höchststand"
"Diese Zahlen signalisieren, dass dringend Handlungsbedarf bei der Versorgung von Patienten mit Diabetes mellitus besteht", erklärte deshalb Vorstandsmitglied Rudolf Hauke. In München - hier stieg die Amputationsrate zwischen 2006 und 2008 um 18 Prozent - kooperiert die Kasse deshalb nun mit dem Verein Fußnetz München.
Dieser bietet ein vernetztes Behandlungskonzept an, bei dem Fachärzte wie Diabetologen, Angiologen, Radiologen, Fuß-, Gefäß- und plastische Chirurgen, Orthopäden, Orthopädieschuhmacher und -techniker sowie Podologen und Pflegedienste Hand in Hand arbeiten. Vorbild ist das Kölner Netzwerk Diabetisches Fußsyndrom, dessen integrierter Behandlungsansatzes die Zahl der Amputationen erheblich senken konnte.
Hausärzte für Fußsyndrom nicht immer fit
Kasse und Fußnetz geben zu bedenken, dass für eine erfolgreiche Behandlung des Diabetischen Fußsyndroms die Zusammenarbeit einer Reihe von Spezialisten notwendig ist, die in der Regel nicht gegeben ist. Zudem seien viele niedergelassene Hausärzte und Internisten nicht ausreichend mit der Behandlung der Krankheit vertraut.
In Zukunft sollen KKH-Versicherte, die an Typ-1- und -2-Diabetes leiden und ein Fußsyndrom entwickeln, möglichst frühzeitig diagnostiziert werden - zunächst in München. Vor allem im stationären Bereich sollen die Wundversorgungszeiten verkürzt werden. Wenn das Projekt erfolgreich ist, kann es auf andere Ballungsgebiete ausgedehnt werden.

