Therapie mit Etanercept bei Kindern mit neu diagnostiziertem Diabetes mellitus Typ 1
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Therapie mit Etanercept bei Kindern mit neu diagnostiziertem Diabetes mellitus Typ 1
Pathogenetisch wird der Diabetes mellitus Typ 1 als T-Zell-mediierte Autoimmunerkrankung angesehen, die durch eine selektive Zerstörung der ß-Zellen des Pankreas gekennzeichnet ist. Charakteristischerweise kommt es sehr häufig kurz nach Diagnosestellung eines Typ 1 Diabetes zu einer partiellen Remission (Honeymoon-Phase), die durch eine teilweise Wiederherstellung der Insulinproduktion charakterisiert ist. Diese Zeit der partiellen Remission stellt nun ein „mögliches therapeutisches Fenster" dar, um die Progression der Erkrankung hintan zu halten. Aus diesem Grund wird bereits in einigen Studien versucht, Substanzen zu untersuchen, welche eine mögliche Beeinflussung des natürlichen Verlaufes des Typ 1 Diabetes bewirken könnten. Aufgrund der Ergebnisse von in-vitro-Studien und tierexperimentellen Untersuchungen wird vermutet, dass TNF-aeine zentrale Rolle in der Pathogenese des Typ 1 Diabetes spielen dürfte. Im Rahmen dieser Studien konnte gezeigt werden, dass TNF-adie direkte Inaktivierung, sowie Destruktion der ß-Zellen durch andere Zytokine, wie Interleukin-1ß und Interferon-gpotenziert. Etanercept ist ein rekombinant hergestellter, löslicher TNF-a- Rezeptor-Blocker, welcher seit Jahren erfolgreich in der Rheumatologie zur Therapie verschiedener Autoimmunerkrankungen, wie der juvenilen rheumatoiden Arthritis, Psoriasisarthritis, sowie der ankylosierenden Spondylitis, eingesetzt wird. Ein Therapieversuch beim Diabetes mellitus Typ 1 erfolgte bis dato noch nicht. Ziel dieser Studie war es daher, erste Daten hinsichtlich der Wirksamkeit einer Etanercept-Gabe zur Prolongierung der endogenen Insulinproduktion bei pädiatrischen Patienten mit einem neu diagnostizierten Diabetes mellitus Typ 1 zu untersuchen. Primäre Endpunkte waren die Änderungen des HbA1c-Wertes, sowie der C-Peptidwerte, sekundärer Endpunkt war die Veränderung im Insulinbedarf. Im Rahmen dieser randomisierten, doppelblinden, Plazebo-kontrollierten Studie wurden insgesamt 18 Kinder mit Diabetes mellitus Typ 1 (7,8-18,2 Jahre) über 24 Wochen und einer 12-wöchigen Washout-Phase untersucht und entweder mit Etanercept oder Plazebo behandelt. Nach der 24-wöchigen Therapie mit max. 25 mg Etanercept 2x/Woche s.c. (0,4 mg/kg KG) konnte ein signifikant niedrigerer HbA1c im Vergleich zu Plazebo (5,91%±0,5% vs. 6,98%±1,2%, p<0.05) mit einem signifikant stärkeren Abfall im Vergleich zum Ausgangswert in der Etanercept-Gruppe nachgewiesen werden (0,41±0,1 vs. 0,18±0,21, p<0.001). Zusätzlich konnte in der Behandlungsgruppe ein 39%-iger Anstieg in der C-Peptid - AUC im Vergleich zu einem 20%-igen Abfall in der Plazebogruppe nachgewiesen werden, was auch mit einer 18%-igen Reduktion im Insulinbedarf in der Etanercept- behandelten Gruppe einherging. Demgegenüber stand ein Anstieg des Insulinbedarfes von 23% in der Plazebogruppe (p<0.05). Die Ergebnisse dieser ersten Pilotstudie an neu diagnostizierten Kindern mit Diabetes mellitus Typ 1 lassen die Hoffnung keimen, dass durch diese TNF-aBlockade eine Erhaltung der ß-Zellfunktion erzielt werden könnte und eventuell eine zukünftige Therapie des Diabetes mellitus Typ 1 auf pathogenetischer Ebene möglich wäre. Weiterführende, großangelegte Studien, um diese ersten vielversprechenden Ergebnisse zu bestätigen, sind natürlich erforderlich.
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Autor : L. Mastrandrea et al
Titel : Etanercept Treatment in Children with New-Onset Type 1 Diabetes
Quelle : Diabetes Care 2009 (32):1244-1249
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